Interview mit Albert

Sie hatten Lymphknotenkrebs. Bitte erläutern Sie uns doch kurz, wie lange der Heilungsprozess gedauert hat und wie Sie die Diagnose und die Zeit mit der Krankheit persönlich empfunden haben.
Lymphknotenkrebs ist ein Krebs, der unterschiedliche Stadien hat und bei mir war er im vierten Stadium, als er entdeckt wurde. Dann ist auch schon das Knochenmark befallen. Davon kann man nicht geheilt werden, auch nicht mit Chemotherapie. Das heißt, es ist lediglich eine Linderung der Probleme erreicht worden. Es besteht permanent das Risiko, dass das irgendwann einmal wieder zum Ausbruch kommt. Bei einem Heilungsprozess wären die Krebszellen zerstört worden, und es wäre keine gleichartige Erkrankung mehr zu erwarten. Aber dem ist nicht so. Ich fühle mich im Moment aber gut und das ist wichtig, auch wenn die Erkrankung nicht ganz geheilt ist. Die Chemotherapie und die Folgeprobleme haben etwa acht Monate gedauert, d.h. die Zeit, in der die starken Medikamente auch die entsprechenden Nebenwirkungen zeigten.

Und wann genau wurde die Diagnose gestellt?
Das war im April 2005. Die Probleme haben dann bis Ende des Jahres angehalten. Es war aber weitgehend erträglich. Die Chemotherapie habe ich sehr gut verkraftet. Es gibt da ja sehr unterschiedliche Reaktionen. Es gibt Menschen, die eine Chemotherapie wegen der befürchteten Nebenwirkungen ablehnen. Unzumutbare Nebenwirkungen kann ich nicht bestätigen. Natürlich war eine körperliche Schwächung da, das ist klar, aber das bezog sich auf die Zeit während der Behandlung. Ich habe schon daran geglaubt, dass das helfen wird, und ich war eigentlich immer optimistisch.

Es ist sicherlich wichtig, dass man selber auch daran glaubt, oder?
Ja. Ich bin ohnehin der Überzeugung, dass Optimismus ein Teil der Heilung ist. Vermutlich wirken auch hier immer Kräfte, die neben der körperlichen Situation auch ihren Teil dazu beitragen, dass sich etwas entweder stabilisiert oder positiv entwickelt oder aber, dass es sich verschlechtert. Aber ich würde mich heute als aktiv und vital beschreiben. Es ist nicht so wie vor der Krankheit, aber mir geht es recht gut.

Woraus schöpfen Sie die Kraft im Kampf gegen den Krebs?
Ich denke, in erster Linie ist das der Rückhalt durch die Familie, aber auch die Zuversicht in den medizinischen Fortschritt. Ich habe das natürlich sehr viel interessierter verfolgt als vorher und ich habe schon festgestellt, dass sehr Vieles in der Entwicklung ist. Seit der Zeit meiner Diagnose haben sich sehr viele Fortschritte ergeben. Deswegen ist nach meiner Ansicht hier auch Optimismus angesagt. Und dann ist es eigentlich die Dankbarkeit für jeden Tag, man schätzt die Zeit wesentlich mehr. Natürlich hofft man auch, ist zuversichtlich und man sagt sich: „Du musst weiterleben und du schaffst das!“. Ich war und bin felsenfest davon überzeugt, dass die medizinische Forschung wirkt. Ich denke, hätte ich mich damals der Chemotherapie verwehrt, dann wäre ich heute nicht mehr hier.

Haben Sie denn alternative Behandlungsmethoden probiert?
Gleich zu Beginn war ich einmal bei einer Frau, die angeblich heilende Hände hat. Das hätte ich mir schenken können. Klar, man ist in der Situation ziemlich verzweifelt und denkt sich: „Jetzt musst du jeden Weg nutzen“. Ich kann aber nicht bestätigen, dass das tatsächlich Linderung gebracht oder dass es in irgendeiner Form Einfluss genommen hat. Für mich war die Chemotherapie das Entscheidende, das mir geholfen hat.

Inwieweit war Ihnen Ihre Tochter Janine eine Stütze?
Sie hat mir immer Rückhalt gegeben, ob das nun die akuten Behandlungen waren, wo sie mich teilweise ins Krankenhaus zur Therapie begleitet hat, oder sie mich besucht hat, wenn ich stationär behandelt wurde. Sie hat immer in schweren Stunden zu mir gestanden und auch versucht, physisch in der Nähe zu sein. Sie hat mich in der Zeit, die ich zu Hause verbracht habe, bei anstrengender Arbeit entlastet. Sie hat mich vor allem in meinem Optimismus immer bestärkt – sie war einfach eine tolle psychische Stütze.

Während des ganzen Prozesses haben Sie sicher familiäre und berufliche Aufgaben gehabt. Wie lässt sich die Behandlung mit dem Alltag unter einen Hut bringen?
Für die üblichen Aufgaben bleibt etwas weniger Zeit, das ist klar. Aber wenn man sich darauf einstellt, dann ist sicher auch der Alltag zu bewältigen. Man weiß eben, dass man eingeschränkt ist durch Behandlungstermine oder durch eine akute Schwächung. Es war bei mir auch so, dass ich in vielen, auch körperlichen Aufgaben, immer die Unterstützung meiner Familie hatte. Hierzu zählten neben meiner Tochter und meiner Frau auch meine beiden erwachsenen Kinder, die bereits ihre eigenen Familien haben, aber auch meine Geschwister. Sie alle standen mir mit ihrer Hilfe zur Seite, wo es möglich war. Der Alltag hat daher bei mir nicht zu Problemen geführt, die nicht zu bewältigen gewesen wären.

Würden Sie sagen, dass der Alltag bei Patienten, die etwas mehr unter der Chemotherapie leiden, schwieriger ist?
Das könnte ich mir durchaus vorstellen. Wenn natürlich jemand die Chemotherapie gar nicht verträgt und jedes Mal nach der Chemotherapie drei, vier Tage außer Gefecht gesetzt ist vor Schwäche, dann sieht das sicher anders aus. Das war bei mir vielleicht auch so ein persönlicher Glücksfall, dass der Körper relativ robust in diese Krankheit reingegangen ist und ich sie dadurch auch mit vielen Reserven weitgehend bewältigen konnte. Ich war auch in erster Linie zu Hause. In den acht Monaten meiner Behandlung habe ich vielleicht zwei Wochen im Krankenhaus verbracht.

Ist dies Ihr erstes Engagement im Kampf gegen den Krebs und was motiviert Sie neben der persönlichen Geschichte?
Ja, das ist mein erstes offizielles Engagement. Man wird plötzlich mit dem Thema konfrontiert und ist selbst überrascht, weil man glaubt, man lebt gesund und eigentlich muss man sich keine Gedanken machen. Dann trifft es einen und man muss damit fertig werden. Wenn man betroffen war, dann kann man doch schon eher mal ein Wort mitreden. Ich habe Betroffenen gesagt: „Komm Junge, lass den Kopf nicht hängen!“ und sie bestärkt, weil es sich zu leben lohnt. Ich möchte den Menschen mit dieser Aktion ein Stück Kraft und Zuversicht geben, die gegenüber den Heilungschancen noch skeptisch sind oder die nicht so recht daran glauben. Ich kann aus Überzeugung sagen, dass man mir geholfen hat und ich bin sicher, dass man den meisten anderen Menschen helfen kann.

Welchen Ratschlag zum Umgang mit der Krankheit würden Sie anderen Betroffenen/Angehörigen geben?
„Bleibe zuversichtlich“, das wäre so ein Tipp, den ich jedem geben würde. Man soll an eine Gesundung glauben, denn in vielen Fällen ist die Medizin heute schon so weit, dass sie helfen kann. Die Fortschritte in der Medizin geben ja selbst in Fällen, in denen man heute noch keine Heilung kennt, die Chance, dass man irgendwann einmal etwas entwickelt, was heilen kann. Deswegen sollte man selbst wenn es im Moment wenig Hoffnung gibt, nicht aufhören, daran zu glauben, dass es eines Tages vielleicht doch so weit ist und geholfen werden kann. Man sollte jeden Tag genießen, der einem geschenkt wird. Bei mir sind es jetzt sechs Jahre, die ich geschenkt bekommen habe und ich finde es großartig.

Die Deutsche Krebshilfe wird 2014 40 Jahre. Was sind für Sie die wichtigsten Aspekte, die Sie mit der Deutschen Krebshilfe verbinden.
Die Deutsche Krebshilfe ist mittlerweile zu einer recht starken Organisation herangewachsen, die durch die Unterstützung der Forschung oder Konzentration auf die wichtigsten Aufgaben, durch eine positive Öffentlichkeitsarbeit wesentlich für die Fortschritte beim Kampf gegen den Krebs sorgt. Die Deutsche Krebshilfe verdient meines Erachtens jede Unterstützung. Von der Deutschen Krebshilfe herausgegebene Broschüren mit ausführlichen Informationen zum Thema Krebs helfen. Mit Spenden fördert sie unter anderem die Forschung und hilft so den Betroffenen, beispielsweise durch Rehabilitationsmaßnahmen. Ich bin überzeugt, dass durch die Deutsche Krebshilfe in der Krebsforschung wichtige Fortschritte erzielt wurden und werden.

Nennen Sie bitte Ihre drei wichtigsten Kraftspender im Kampf gegen den Krebs:
- Meine Familie
- Der Glaube an den Fortschritt in der Medizin
- Das bewusste Genießen der geschenkten Zeit

Bitte vervollständigen Sie diesen Satz/diese Aufforderung: „Setzen Sie sich mit aller Kraft gemeinsam mit mir gegen Krebs ein, weil …
… wir mit vereinten Anstrengungen den Betroffenen Zeit schenken und den Kampf gegen diese Krankheit gewinnen werden.

Hier können Sie das Interview als PDF herunterladen.

 

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